Spanien behandelt Corona fortan wie eine gewöhnliche Grippe

 

[Andreas Neider:] Als erstes europäisches Land stuft Spanien Corona in Zukunft nur noch als Grippe ein. Spaniens Premierminister Pedro Sánchez hat eine grundlegende Änderung in der nationalen Strategie gegen das Corona-Virus angekündigt. Am Montag bestätigte er Hinweise, dass die spanische Regierung ihre Pandemie-Politik ändern werde. Grund dafür sei die zurückgegangene Letalität von COVID-19. Zum Strategiewandel gehört demnach eine Neubewertung bei der Erfassung der Daten und ihrer Be- und Auswertung. Die dafür künftig angewandte Methode solle jener ähneln, die heute bei einer Grippe gelten.

 

„Wir haben die Bedingungen, um die Debatte schrittweise und vorsichtshalber auf technischer und europäischer Ebene zu eröffnen, um die Entwicklung dieser Krankheit mit anderen Parametern als bisher zu bewerten“, sagte Sánchez in einem Interview mit dem Radiosender Cadena SER. Das berichtet die katalanische Zeitung El Periódico.

 

„Es ist eine Debatte, die wir bereits auf europäischer Ebene zu eröffnen versuchen. Die Gesundheitsministerin selbst hat sie mit verschiedenen europäischen Gesundheitsministern angesprochen“, fügte Sánchez hinzu. Die Letalität sei von 13 Prozent in der ersten Welle auf 1 Prozent gefallen. Der Höhepunkt der gegenwärtigen Welle, so prognostizierte der Ministerpräsident, sei Mitte Januar erreicht. Dann würde die Kurve fallen.

 

Auch in Israel hebt man zahlreiche Maßnahmen trotz steigender Zahle inzwischen auf. Schon seit einigen Wochen geistert in Jerusalem das Schlagwort vom „schwedischen Weg“ herum – Omikron könnte die Pandemie beenden. Offenbar will man die Politik jetzt dahin ausrichten: Die erst jüngst eingeführte Einreisesperre wurden jetzt wieder aufgehoben, Schulen und Restaurants sollen trotz Rekordinzidenzen geöffnet bleiben. Es gibt keine Kontaktbeschränkungen mehr, auch Partys und Urlaubsreisen sind wieder möglich.

 

Zwar sind weiterhin gerade für Nicht-Geimpfte zahlreiche Maßnahmen in Kraft, die Bewegung ist dennoch ein Novum: In eine Corona-Welle hinein zu öffnen, ist gerade für Israel ein völlig neuer Ansatz. Erstmals unternimmt Israel nicht mehr den Versuch, die Welle zu brechen, sondern lässt sie kontrolliert durchs Land laufen.

 

Israel ist damit das jüngste Beispiel aus einer Reihe von Ländern, die so auf Omikron reagieren – u.a. Großbritannien und Spanien. Auch in Großbritannien und den USA sieht man Corona dank Omikron bald auf dem Rückzug. Der Grund: Die Variante erwies sich nur eineinhalb Monate nach ihrer Entdeckung in Südafrika als so hochansteckend, dass möglicherweise kaum mehr Menschen für eine Infektion in Frage kommen. „Sie wird so schnell zurückgehen wie sie hochgeschossen ist“, sagt Ali Mokdad, ein Professor für Gesundheitsmetrik an der Universität von Washington in Seattle.

 

Mit dem Vorhaben, trotz der mittlerweile eindeutigen Tatsache, dass die Impfungen die Verbreitung der Omikron-Variante in keinem Falle mehr aufhalten können, eine Impfpflicht durchzusetzen, stehen die deutsche, italienische und österreichische  Regierung international ziemlich allein da.

In Baden-Württemberg behält man die europa- oder sogar weltweit schärfsten Regeln ohne Not bei obwohl die Hospitalsierungs- und Intensivinzidenzen seit Wochen sinken mit der Begründung:

"Aufgrund der stark ansteigenden Omikron-Welle und dem damit zu erwartenden erneutem Anstieg der Hospitalisierungen gelten die Regelungen der Alarmstufe II vorerst unabhängig von den Schwellenwerten bis zum 1. Februar 2022 weiter."

 

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