Rückblick auf ein Jahr Corona-Pandemie und -Bekämpfung

[Christoph Hueck:]  Die beiden Hauptargumente der Politik zur Begründung der Lockdown-Maßnahmen sind 1.) Menschen vor dem Tod zu schützen und 2.) eine mögliche Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Nach einem Jahr Corona-Politik kann man fragen, ob sich diese beiden Argumente als zutreffend erwiesen haben.

 

Keine Frage: COVID-19 ist vor allem für viele alte Menschen eine tödliche Krankheit, die weltweit bisher über 3 Millionen Opfer gefordert hat. Aber eben vor allem unter alten und sehr alten Menschen. Das Durchschnittsalter (Median) der Corona-Todesfälle liegt in den meisten Ländern bei über 80 Jahren[1]. Die Altersverteilung in Deutschland (repräsentativ für viele andere Industrieländer) zeigt, dass knapp 90% der Corona-Todesfälle 70 Jahre und älter waren, ca. 70% über 80 (Abb. 1) [2].

 

Abb. 1: Corona-Todesfälle in Deutschland nach Altersgruppen (Stand März 2021). 

Um zu beurteilen, ob die Sterblichkeit alter Menschen im Corona-Jahr höher war als in den Jahren zuvor, muss man die Anzahl der Corona-Todesfälle pro Altersgruppe auf die Anzahl der Menschen in dieser Altersgruppe beziehen. Abb. 2 zeigt, dass die Gruppe der über 80-Jährigen in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren um über 1 Millionen Menschen gewachsen ist [3]. Die Anzahl der Todesfälle in dieser Altersgruppe hat zwar auch zugenommen (um ca. 76.000 in den letzten fünf Jahren)[4], aber die Sterberate, also der Anteil der Verstorbenen an der jeweiligen Altersgruppe ist nicht nur nicht gestiegen, sondern war sogar leicht rückläufig. Relativ zur Altersgruppe starben nicht deutlich mehr alte Menschen im Corona-Jahr als in den Jahren zuvor.

 

Abb. 2: Sterberate (Anteil der Todesfälle an der Gesamtgruppe der über 80-Jährigen in Deutschland).

Nun wird oft argumentiert, dass wir nur wegen der Lockdown-Maßnahmen keine durch Corona erhöhte Sterblichkeit hätten. Ohne Maßnahmen, so wurde von Anfang an von einflussreichen Wissenschaftlern prognostiziert, hätte es sehr viel mehr Tote gegeben. Auch dieses Argument lässt sich inzwischen durch Daten überprüfen. Zum Beispiel durch einen Vergleich der Corona-Sterbefälle in Deutschland und Schweden, einem Land, dass keine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen vorschrieb, Cafés und Restaurants und vor allem Schulen weitgehend offen ließ, und nur größere Veranstaltungen vorübergehend untersagte[5]. Während der Anteil der Todesfälle im Frühjahr 2020 in Schweden ca. 4 mal so hoch war wie in Deutschland, verlief die zweite Welle in beiden Ländern nahezu identisch (Abb. 3) [6].

 

Abb. 3: Vergleich der Todesfälle pro 1 Mio. Einwohner in Deutschland (rot) und Schweden (blau). 

Auch ein Vergleich der Corona-Todesfälle in amerikanischen Bundesstaaten mit und ohne Lockdown im Winter 20/21 zeigt, dass die Staaten ohne Lockdown keinesfalls schlechter als diejenigen mit abgeschnitten haben[7].

 

Abb. 4: Corona-Todesfälle pro 1 Mio. Einwohner in US-amerikanischen Bundesstaaten. Rot: ohne Lockdown im Winter 20/21, blau: mit Winter-Lockdown. 

Ein weiteres Argument ist die mögliche Überlastung der Intensivstationen. Auch hierzu liegen inzwischen sehr genaue Daten vor. Die Initiative Qualitätsmedizin hat ca. 6 Millionen Krankenhausaufenthalte in 431 deutschen Kliniken analysiert (entsprechend 36% aller Krankenhauspatienten in Deutschland)[8]. Im Vergleich mit 2019 zeigt sich, dass in 2020 4,7% weniger Patienten auf Intensivstationen behandelt wurden als im Vorjahr, von denen 6,4% weniger beatmet werden mussten (Abb. 5, Spalte rechts). Von allen Intensivpatienten sind allerdings 12% mehr an schweren akuten respiratorischen Infektionen (SARI) verstorben als im Vorjahr, was auf den Corona-Anteil deutet. Im  Vergleich zum Vorjahr gab es jedoch keine Katastrophe.

 

Abb. 5: Vergleich der Anzahl von Krankenhaus- und Intensivpatienten in 2019 und 2020. 

Auch die aktuelle Berichterstattung über die abnehmende Zahl an freien Intensivbetten scheint irreführend. Das DIVI Intensivregister weist auf seiner Homepage die Zahl der belegten und der freien, betreibbaren Intensivbetten im Zeitverlauf aus. Seit Anfang August 2020 besteht eine „Notfallreservekapazität“ von mehr als 10.000 Intensivbetten, die „innerhalb von 7 Tagen aktivierbar“ sind[9]. Dazu sagte Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft am 3.11.20: „Die aktuelle Diskussion über die Zahl freier Intensivbetten führt zur Verunsicherung in der Öffentlichkeit. Dem müssen wir entschieden entgegentreten. Die Kliniken melden seit April diesen Jahres regelmäßig und täglich ihre aktuell belegten und verfügbaren Intensivbetten. Stand heute sind in den deutschen Kliniken rund 21.500 Intensivbetten belegt und gut 7.000 Intensivbetten als verfügbar gemeldet. Hinzu kommt eine eiserne Notfallreserve von rund 12.000 Betten die ergänzend aufgestellt werden können.“[10]  Gaß wiederholte diese Einschätzung auch für die aktuelle Lage im April 2021[11].

 

Entscheidend für eine Beurteilung der Corona-Pandemie ist also, die einzelnen Zahlen und Fakten in einen Kontext zu stellen und auf andere, entsprechende Daten zu beziehen. Nur so können die allgemeine Gefährlichkeit von COVID-19 und die Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen wirklichkeitsgemäß beurteilt werden.

 

Dieser relativen Gefährlichkeit von COVID-19 steht gegenüber die negative Wirkung der Lockdown-Politik auf Millionen Kinder und Jugendliche, die wirtschaftlichen Schäden, die Einschränkung der grundlegendsten Freiheitsrechte, der Verlust von Kunst und Kultur, die exorbitant gestiegene Staatsverschuldung, die massiv zunehmende Armut in Entwicklungsländern, u.a.m. Ein Land wie Schweden zeigt jedoch, dass eine Antwort auf die Corona-Pandemie weitgehend auch ohne solche zerstörerischen Nebenwirkungen möglich ist.

 

P.S. Am 16.4. hat Karsten Montag im Online-Magazin Multipolar eine ausführliche Analyse zur Sterberate im Corona-Jahr publiziert. https://multipolar-magazin.de/artikel/corona-todeszahlen-nicht-plausibel 

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Kommentare: 1
  • #1

    katharina von Fircks (Sonntag, 25 April 2021 15:45)

    Für dieses Mal muss man wohl sagen: zu spät...falsch gelaufen. Alles beruhte am Anfang
    schon auf Verschleierung der Gefahr...der Virus explodierte ungestoppt...die Wissenschaft trat nicht genügend überzeugend auf...die Medien machten haltlos Angst....Dann der Maskentanz.... dann ging es an das aus dem Boden ???stampfen von Vaccinen als einzigste Retter...Vor dem das zusperren der Gesellschaft....viele Bücher werden geschrieben werden....kaum was nützen. Man kann nur hoffen,dass wir etwas gelernt haben.....es ist eine riesigen Lektion- sehr inhaltsreich....wahrscheinlich weiss man irgentwann,dass die ganze Pandemi lehrreich war,gebraucht wurde......wenn sie als Erfahrung angenommen wird von jedem Einzelnen der die Masse ausmacht.....hauptsächlich der Mensch ist ein Geistwesen...er muss seine Aufgabe Mensch erkennen...er muss seine geistige Heimat wiederfinden ...seine Mission als Mensch....