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Der Komet Neowise, die August-Meteore und die große Konjunktion – ein weiterer Beitrag zum kosmologischen Hintergrund der Corona-Krise

[Gastbeitrag von Hartmut Ramm:]  

  

In unserem ersten Buch zur Corona-Krise „Corona eine Krise und ihre Bewältigung“ hat Hartmut Ramm den kosmologischen Hintergrund der Corona-Krise bereits ausführlich beschrieben. In seinem aktuellen Blogbeitrag ordnet er nun den aktuell neu auftretenden Kometen „Neowise“ in dieses kosmologische Geschehen ein.

 

Ein wunderbares Schauspiel entfaltet sich derzeit am Abendhimmel. Über zwei Jahrzehnte nach den Kometen Hyakutake (1996) und Hale-Bopp (1997) ist bei uns wieder ein Schweifstern mit bloßem Auge sichtbar. Anfang Juli durchlief er den sonnennächsten Punkt, nun passiert er am 23. Juli den erdnächsten Punkt seiner Bahn und wird bis dahin – wenn er hält, was die Prognose versprechen – nach Sonnenuntergang immer besser zu sehen sein.

 

Entdeckt wurde der neue Komet am 27. März 2020, und zwar mit Hilfe von NEOWISE, einem Weltraumteleskop der NASA, dem er auch seinen Namen verdankt: Komet Neowise (C/2020 F3)[1]. Die Berechnungen nach den ersten Beobachtungen zufolge dürfte er vor rund 4500 Jahren letztmals der Erde nahegekommen sein. Ist es nicht bemerkenswert, dass ein Komet nach derart langer Umlaufzeit genau im Covid19-Lockdown erneut bei uns auftaucht und der Corona-Pandemie eine zusätzliche kosmische Signatur verleiht?

 

Anfang Juli war der Komet Neowise am Morgenhimmel im Nordosten sichtbar, wovon viele schöne Aufnahmen Zeugnis ablegen (https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/komet-neowise-117.html). Nun wird er am Abendhimmel zu sehen sein, wo er vom Sternbild Luchs (Lynx) in den Großen Wagen (Großer Bär = Ursa major) wandert. Indem er sich von der untergehenden Sonne entfernt, sollte er bis Ende Juli bei wolkenfreiem Himmel immer besser über dem nordwestlichen Abendhorizont zu entdecken sein. Sofern er nicht plötzlich an Helligkeit verliert.

 

Wenn er im August dann nur noch für Feldstecher und Teleskope zu erkennen ist, führt seine Bahn den Komet Neowise nördlich vom Löwen zum Sternbild Bootes, wo er am 12. August dessen Hauptstern Arktur und die weiter nördlich gelegene Krone (Corona borrealis) grüßen wird. Im weiteren Verlauf dieser Nacht werden aus dem Sternbild Perseus die August-Meteore, so genannten Perseiden aufleuchten, die schon jetzt einzelne Vorboten in den Nachthimmel entsenden.

 

Wer den Blick in diesen Nächten nach Süden wendet, wird dort Jupiter und Saturn erblicken, die sich im Sternbild Schütze einander immer mehr annähern. Kurz vor Michaeli wird am 25. September der zunehmende Mond an den beiden Planeten vorbeiziehen, dessen schmale Sichel vier Tage zuvor in den Sternbildern Jungfrau und Waage genau die Sternregion überstreicht, in welcher der Komet Neowise seine Mission im inneren Sonnensystem beschließt, um für die nächsten 6000 Jahre in den Weiten des Alls zu entschwinden.

 

Indem er die Region der Jungfrau betont, setzt der Komet der Schütze-Region, vor deren winterschwer verhärtendem Hintergrund sich am 21. Dezember die Grosse Konjunktion von Jupiter und Saturn vollzieht, eine Art michaelischen Ausgleich entgegen.[2] Vor allem Kometen mit langer und unregelmäßiger Umlaufzeit bringen frische Jugendkräfte aus ur-ferner Weite des Alls in unser „gutbürgerliches“ Sonnensystem mit seinen Regelmäßigkeiten.

 

Gutbürgerlich hat sich die Menschheit inzwischen in ihrer Komfortzone eingerichtet, angesichts von Klima-, Flüchtlings- und weiteren Krisen wenig bereit oder in der Lage, ihre Lebensgrundhaltungen zu ändern. Weltweit hat die Corona-Krise politisch Verantwortliche in die Lage versetzt, diesen Ernstfall tiefgreifender Veränderungen mit guter Begründung gleichsam zu üben. Nun aber ist es überall auf der Erde jedes einzelnen Menschen Aufgabe, das im Corona-Lockdown während einiger Monate Gefühlte, Erübte und Gelernte mit Fantasie und Geschick in künftiges starkes Wollen um zu schmieden und bewusst in globalem Maßstab eine Verhaltenswende einzuleiten. Gelingt dies, hätte die Corona-Krise einen zusätzlichen und höheren Sinn.

 



[1] Der Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE) ist ein astronomisches Weltraumteleskop der NASA mit Infrarot-Wellenlänge, das von Dezember 2009 bis Februar 2011 aktiv war. Im September 2013 wurde der Satellit reaktiviert, in NEOWISE umbenannt und mit einer neuen Mission beauftragt: Es soll die Bemühungen der NASA unterstützen, die Population erdnaher Objekte (NEO) zu identifizieren und zu charakterisieren. Der Name des Kometen ist wohl amerikanisch auszusprechen, lässt sich aber neu-deutsch-anglo-griechisch auch gefühlt bezeichnen als „der neue Weise" oder „auf neue Weise".

[2] Weitere kosmische Bezüge zur Corona-Pandemie finden sich in dem Buch von Michaela Glöckler, Andreas Neider und Hartmut Ramm: „Corona – eine Krise und ihre Bewältigung“, Akanthos-Akademie, Stuttgart 2020.    

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