"Wirrköpfe", "Wahrheitsträger" und die internationalen Auswirkungen des Lockdowns

[Andreas Neider:]  Deutschland scheint sich momentan angesichts der weiterhin unbewältigten Corona-Krise in zwei Lager zu spalten: in das Lager der „Wahrheitsträger“, die das, was bisher abgelaufen ist, alles gut und richtig finden, und das Lager derjenigen, die mit den damit einher gehenden „Wahrheiten“ nicht einverstanden sind und das „offizielle“ Corona-Narrativ in Frage stellen.

 

 In Deutschland sehen sich mittlerweile fast alle Parteien, auch die Linkspartei und die Grünen hinter der von Angela Merkel vertretenen Regierungspolitik vereint. Eine Opposition gibt es nur noch in Form der FDP und der AfD. Und nicht umsonst hat sich aufgrund dessen mit „Widerstand2020“ eine neue Partei geründet, deren Profil bislang aber noch nicht ganz klar ist, weil in kurzer Zeit so viele Menschen Mitglieder geworden sind, dass den Begründern der Überblick über die eigene Mitgliedschaft verständlicherweise noch fehlt. [1]

 

Die Regierungspolitik und der damit einhergehende Lockdown wird aber auch von fast allen öffentlichen Medien, insbesondere aber von der ehemals alternativen Presse wie etwa der TAZ unterstützt, ganz im Einklang mit definitiv regierungsnahen Medien wie etwa dem Nachrichtenportal von t-online.[2] In allen diesen bürgerlichen Medien kann man zurzeit nachlesen, dass die Bürgerproteste gegen das Corona-Regime verschwörungstheoretisch inspiriert seien, ja dass an solchen Demonstrationen teilzunehmen bedeute, die Sicherheit unseres Landes zu gefährden.

Unter der Überschrift „Das Konstrukt der Wirrköpfe“ schreibt die Stuttgarter Zeitung etwa:

„Vor allem aber darf sich die wache und demokratisch gesinnte Mehrheit der Bevölkerung nicht beirren lassen. Wir, die wir den demokratischen Meinungsstreit hochhalten, Sachdebatten führen und [3]

Es mag sein, dass diejenigen, die so denken, tatsächlich in der Mehrheit sind, viele Umfragen deuten jedenfalls daraufhin. Aber ist die Meinungsmehrheit dadurch auch schon im Recht? Haben diejenigen, die meinten, die Risikogruppe der Heimbewohner zu schützen, diese Gruppe überhaupt jemals gefragt, ob sie mit diesen „Schutzmaßnahmen“ einverstanden ist? Erschütternde Berichte von Heimbewohnern deuten auf etwas ganz Anderes hin, dass nämlich der Lockdown gegen ihren Willen einfach angeordnet wurde. [4]

Doch nicht nur das: der generelle Shutdown, hat ja vor allem die Wirtschaft in massivster Weise getroffen. Und selbstverständlich hat die Regierung mit der „Bazooka“ des Finanzministers auch gleich die finanziellen Mittel locker gemacht, um den wirtschaftlichen Schaden wieder auszugleichen, was aber mitnichten funktionieren wird.

Hat Herr Scholz zum Beispiel berücksichtigt, dass die jetzt ausbleibenden Milliardenaufträge der Textilindustrie in den Herstellerländern Bangladesch, Indien und Pakistan zum Existenzverlust von Millionen Textilarbeiterinnen geführt hat, weil die Industrie dieser Regionen total abhängig von den Großaufträgen der großen Textilunternehmen wie C&A, H&M usw. ist?

Die Politik dieser Regierung tut mit ihrem durch die Krise ausgelösten Protektionismus der einheimischen Wirtschaft so, als hätte es die Globalisierung nie gegeben.[5] Doch Deutschland lebt nicht allein auf dieser Welt, auch wenn die geschlossenen Grenzen vorübergehend diesen Eindruck erwecken. Das, was mit dem Lockdown an wirtschaftlichem Schaden angerichtet wurde, hat in der ganzen Welt unmittelbare Folgen, nicht nur in Bangladesch, auch in Afrika.

So hat z.B. der britische Lockdown zahllose afrikanische Lohnarbeiter in England in die Arbeitslosigkeit gestürzt, die normalerweise von ihren Einkommen ganze Dörfer in Afrika ernähren, weil die dortigen Verhältnisse diese Ernährung schon lange nicht mehr sichern können. Aufgrund des nunmehr fehlenden Geldtransfers droht nun einer ganzen Region in Afrika der Hungertod, der durch die Folgen des Klimawandels zusätzlich befördert wird.

Alle diese Konsequenzen der Regierungspolitik und der von „den Wissenschaftlern“ empfohlenen Maßnahmen werden von der „Mehrheit“ bis heute nicht wahrgenommen, weil sie sich einem Corona-Narrativ gebeugt haben, das die Globalisierung vollkommen ausgeblendet hat und so tut, als könnten wir in Deutschland einfach mal die Grenzen dicht machen und nur noch für uns selbst sorgen.

Es sind keine Verschwörungstheorien, die hiermit auf den Tisch kommen, sondern es zeigt sich an dieser Spaltung dasselbe Vogel-Strauß-Verhalten wie in der Klimakrise, wo lange Zeit ebenso getan wurde, als ginge uns das Klima nichts an und hätte mit unserem Verhalten gar nichts zu tun. Dass aber das Handeln gerade in den hochindustrialisierten Regionen dieser Erde  schon seit langer Zeit die aller schwersten Konsequenzen für die übrige Welt hat, scheinen diejenigen, die sich als die „Mehrheit“ verstehen, immer noch nicht begriffen zu haben.

Denn der hinter dieser Haltung steckende nationale Protektionismus, der selbstverständlich zunächst immer an das eigene Wohlergehen anstatt das der anderen Nationen und Menschen denkt, sich aber gleichwohl im Recht sieht, weil er ja „Leib und Leben“ der sogenannten „Risikogruppen“ schützen will, eben dieser Protektionismus ist der direkte Ausdruck einer Bewusstseinserkrankung. Diese Erkrankung betrifft unser materialistisches Bewusstsein, dass sich generell und immer getrennt von der Welt, die es umgibt, erlebt. Die jetzige Spaltung unserer Gesellschaft scheint eine weitere Folge dieser Bewusstseinsspaltung zu sein.

Andreas Neider

 

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