Coronoia in den Köpfen

[Christoph Hueck:]  Viel infektiöser als das Corona-Virus ist das Corona-Denken. Ein Großteil der Menschheit ist davon befallen. Begriffe wie „Verdopplung der Fallzahlen“, „Corona-Tote“ und „Zusammenbruch des Gesundheitssystems“ haben die Gehirne infiziert, und die dadurch ausgelöste Krankheit hat sehr viel weitreichendere Folgen als die tatsächlichen Fälle.

 

Wir brauchen dringend ein wirksames Gegenmittel gegen die mentale Infektion. Es besteht in der nüchternen Einsicht, dass Corona nicht viel mehr als eine stärkere Grippe ist. Ja, es sterben Menschen an Corona – aber sie sterben auch sonst (2.600 täglich in Deutschland, und Zehntausende zusätzlich in jedem zweiten Winter an einer Grippe). Einige (wenige!) Krankenhäuser sind jetzt überlastet – auch das hat es in den letzten Jahren immer wieder gegeben.[1]

 

Das Denken, das der „Coronoia“ (Beate Bahner) zugrunde liegt, ist linear und abstrakt. Man berechnet die prozentuale Sterblichkeit und nimmt an, dass 60 bis 70% der Bevölkerung infiziert werden. Aktuell: 3.200 Tote bei 127.000 getestet Infizierten ergibt eine theoretische Sterblichkeit für Deutschland von 2,5%. Wenn 50 bis 60 Millionen Menschen infiziert werden, erwartet man demnach 1.2 bis 1.5 Millionen Tote. Nimmt man eine 10 Mal höhere Dunkelziffer an Infektionen an, dann sind es immer noch 120 bis 150 Tausend Tote. (Tatsächlich hat eine einflussreiche Studie des Imperial College in London von Mitte März für Großbritannien 250 bis 510 Tausend und für USA 1.1 bis 2.2 Mio. Tote vorausgesagt.[2])

 

Für diese Virologik braucht man kein Abitur. Was wäre aber, wenn ein großer Teil der Todesfälle gar nicht auf das Konto von Corona geht, sondern den berühmten „Vorerkrankungen“ zum Opfer fällt? Was, wenn die Tests ungenau sind? Was, wenn die asymptomatischen Infektionszahlen sehr viel höher liegen? Was, wenn es doch eine vorab bestehende Immunität in der Bevölkerung gibt? Und was, wenn die Krankheit im Sommer so weit zurückgeht, dass sich insgesamt doch nur sehr viel weniger Menschen infizieren (auf der Südhalbkugel gibt es bisher kaum Todesfälle)? Von den vorausgesagten Corona-Todesfällen sind jedenfalls sowohl England (aktuell ca. 13.000) als auch die USA (31.000) immer noch sehr weit entfernt.

 

Falls die Virologik jedoch stimmt, werden die Menschen auch dann an Corona sterben, wenn sich das Virus sehr viel langsamer ausbreitet. Die Hoffnung, dass innerhalb weniger Monate ein sicherer und wirksamer Impfstoff verfügbar sein könnte, ist eine - möglicherweise sogar gefährliche - Illusion.

 

Und noch eine Frage steht im Raum: Wollen wir bei der nächsten schweren Grippe wieder in den weltweiten Shutdown?

 

Wir müssen zurück auf den Boden der Realität! Der Tod gehört zum Leben dazu (und eben auch einmal die vorübergehende Überlastung von Krankenhäusern). Wir brauchen wieder mehr gesunden Menschenverstand und Intuition anstelle von Angst und Zahlenhypnose. Wir müssen wieder lernen, die Wirklichkeit zu erleben, anstatt sie nur theoretisch zu denken und in Talkshows zu diskutieren. Und wir müssen lernen zu durchschauen, wie manipulativ die allabendlichen Fernsehbilder und das abstrakte, (scheinbar!) wissenschaftliche Denken auf uns wirken. Wir müssen die Angst und die innere Entfremdung überwinden und uns selbst, unsere atmenden Körper, unsere nächsten Mitmenschen und die uns umgebende Natur wieder erleben!

 

Mit freundlichen Grüßen,

Christoph Hueck

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Katja (Sonntag, 19 April 2020 17:05)

    Hallo Herr Hueck,

    Das haben Sie schön und verständlich geschrieben, und Worte dafür gefunden, was ich auch fühle.

    Danke und liebe Grüße

    Katja

  • #2

    Susana Ulrich-Alvarez Ulloa (Mittwoch, 22 April 2020 01:17)

    Danke Christoph, du hast treffende und wahre Worte gefunden für das was viele von uns fühlen und tief in unserem Herzen wissen. Es ist aber wichtig sich dessen bewusst zu werden und es zu benennen. Danke

  • #3

    Rainer Hans Soeder (Samstag, 30 Mai 2020 12:22)

    Lieber Herr Hueck, es scheint mir nicht ganz so einfach zu sein, wie Sie es darstellen. In den 40 Jahren, die ich jetzt Arzt bin, habe ich nicht erlebt, dass es soviele beatmungspflichtige Patienten gab, nicht gehört, dass diese wie z.B. J.C. Buccheri vier Wochen beatmet wurden.,
    nicht gehört, dass Infekte der Lunge mit thromboembolischen und/oder vasculitischen Prozessen kompliziert waren und auch nicht gehört, das Pflegende, Ärzte und Seelsorger
    in deutlichen Mengen sich angesteckt haben und gestorben sind.Mit herzlichen Grüßen Ihr Rainer Soeder

  • #4

    Christoph Hueck (Samstag, 30 Mai 2020 18:47)

    Lieber Herr Soeder, vielen Dank für Ihren Kommentar, der zur Besonnenheit mahnt. Covid-19 ist für Menschen mit geschwächter Immunität unzweifelhaft eine schwere, in hunderttausenden Fällen tödliche Krankheit. Die Angst, die Millionen ergriffen hat, ist dennoch unbegründet und schädlich. Das Sterben gehört zum Leben dazu, und die Lockdown Maßnahmen waren völlig unverhältnismäßig. Eine Art Selbstmord aus Angst vor dem Tod, oder, wie der Notfallpädagoge Bernd Ruf vor kurzem schrieb: Flutung einer ganzen Stadt zur Bekämpfung eines Zimmerbrandes. Der Protest richtet sich gegen diese Unverhältnismäßigkeit und ihre Folgen. Mit freundlichen Grüßen, Christoph Hueck